Wie stiehlt man ein Land? Diese Frage schwebt über Sabrina Janeschs neuem Roman – und auch wenn er an einem konkreten Ort und in einer konkreten Zeit spielt, ist „Territorium“ ein universaler Text über Freiheit, Unterwerfung und Selbstbestimmung. Der Roman führt nach Hawaii in die 1890er Jahre, als die Königin gestürzt und der unabhängige Inselstaat von den USA annektiert wurde. Janesch begleitet drei Frauen durch die Unruhen: Königin Lili‘uokalani, ihre deutsche Beraterin Gertrude Wolf und die Journalistin Emma Na¯wahı¯. Ein Roman, der – so steht es in der Vorbemerkung – aus historischen Ereignissen schöpft, inspiriert ist von den Biografien realer Personen und zugleich von der Freiheit der Fiktion lebt. Sabrina Janesch, 1985 in Niedersachsen geboren, ergründete in Büchern wie „Katzenberge“, „Ambra“ oder „Sibir“ die Auswirkungen von Kriegen und Grenzziehungen, von Verschleppungen und Umsiedlungen auf Lebenswege der Gegenwart. In „Die goldene Stadt“ erweckte sie den vergessenen Entdecker der Inkastadt Machu Picchu zum Leben.
Genauso sorgfältig recherchiert ist nun „Territorium“: Nicht nur Flora und Fauna des Archipels gegen Ende des 19. Jahrhunderts werden lebendig, sondern vor allem die politischen Konflikte und persönlichen Loyalitäten jener Zeit. Im Zentrum drei Frauen, die zwischen Widerstand, Freundschaft und Machtverlust ihren jeweils eigenen Weg suchen.
Anne-Dore Krohn
Auszeichnungen u. a.: Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquiums Berlin, Arbeitsstipendium des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Mara-Cassens-Preis (2010), Anna-Seghers-Preis (2011), Jahresstipendium des Landes Niedersachsen (2014), Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (2017).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Ambra“, Roman, Aufbau, Berlin 2012
– „Tango für einen Hund“, Roman, Aufbau, Berlin 2014
– „Die goldene Stadt“, Roman, Rowohlt Berlin, 2017
– „Sibir“, Roman, Rowohlt Berlin, 2023
– „Territorium“, Roman, Rowohlt Berlin, September 2026
