Der 1994 geborene Alexander Schnickmann ist ein form- und sprachbewusster Dichter, der nach seinem Debütroman „requiem“ aus dem Jahr 2024 nun mit „Gestirne“ einen Band vorlegt, der den Untertitel „Weltraumgedichte“ trägt. Man mag zunächst an Raumschiffe und Reisen zu fremden Planeten denken, aber der Weltraum ist in diesen Texten Weltenraum, und Alexander Schnickmanns Gedichte sind nicht abgehoben, sondern zupackend, sinnlich, durchaus bodenständig. Sie sind verankert in der Tradition der lyrischen Moderne, insbesondere des anglo-amerikanischen Sprachraums und in der weit zurückreichenden Tradition der melancholischen Dichter: „the history of melancholia includes all of us“ heißt eines der Gedichte, und lädt dazu ein, sich in eine Stimmung der Freude an der Traurigkeit zu versetzen. Gelacht werden darf bei Alexander Schnickmann dennoch und es darf auch wild geliebt werden, wenn es vom Club der melancholischen Dichter in den Nachtclub geht, von der Sehnsuchts- in die Liebestrunkenheit – und wieder aus ihr heraus: „und gerade als wir den Weinvorrat/ der Bayerischen Motoren Werke/ vernichtet hatten das Knirschen/ der Steine vor dem Hof/ die unsicheren Schritte in der Dunkelheit/ derselbe Mond über dem Turm.“
Beate Tröger
Auszeichnungen u. a.: Leonce-und-Lena-Preis (2023), Deutscher Preis für Nature Writing (2026).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „requiem“, Roman, Matthes & Seitz Berlin, 2024
– „Gestirne. Weltraumgedichte“, Matthes & Seitz Berlin, 2026
– „Fuck Nature, Start Writing“, Matthes & Seitz Berlin, September 2026
