13:30 Uhr Helene Bukowski
Wer möchte nicht im Leben bleiben. Roman. Claassen. Berlin, Feb 2026
14:00 Uhr Thomas von Steinaecker
Schwestern. Roman. S. Fischer. Frankfurt a. M., 8. Sep 2026
14:30 Uhr Anja Gmeinwieser
Wir Königinnen. Roman. Berlin Verlag, Feb 2026
15:00 Uhr Son Lewandowski
Die Routinen. Roman. Klett-Cotta. Stuttgart, Jan 2026
15:30 Uhr Kerstin Preiwuß
Rodeo. Gedicht. Berlin Verlag, 4. Sep 2026
16:00 Uhr Christoph Peters
Entzug. Roman. Luchterhand. München, Mrz 2026
16:30 Uhr Lena Schätte
Was wir tragen. Ingeborg-Bachmann-Preis 2026 (50. Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 2026)
17:00 Uhr Alexander Schnickmann
Gestirne. Weltraumgedichte. Matthes & Seitz Berlin, Jan 2026
17:30 Uhr Dana Vowinckel
Anton und Alma. Roman. Suhrkamp. Berlin, 2. Sep 2026
18:00 Uhr Nadine Schneider
Das gute Leben. Roman. S. Fischer. Frankfurt a. M., Feb 2026
Moderation: Maike Albath, Anne-Dore Krohn, Dirk Kruse, Lara Sielmann, Beate Tröger
Haupt- und Nebenpodien Schlossgarten bzw. Redoutensaal, Theater in der Garage und Rangfoyer: FM-Anlage für Hörgeschädigte – Ausleihe an der Information
„Das gute Leben“
Den Titel des Romans, der in diesem Jahr den Lesemarathon am Sonntagabend beschließen wird, haben wir uns diesmal als Motto ausgesucht. Nicht, weil zurzeit alles leicht und gut wäre im Leben. Ganz im Gegenteil: Die Lesungen der diesjährigen Revue der Neuerscheinungen handeln von Schwierigkeiten und Katastrophen, die uns im Leben herausfordern. Aber das ist ja auch richtig und gut so. Das Poet*innenfest will auch in diesem Jahr die persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Krisen literarisch in den Blick nehmen und dennoch das Leben feiern, wie es ist.
Den Sonntag im Schlossgarten eröffnet Helene Bukowski mit der Geschichte einer jungen Pianistin, die als Wunderkind gefeiert wurde. Doch mit 24 Jahren nimmt sie sich das Leben. In „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ geht es nicht zuletzt um die Einsamkeit eines Künstler*innendaseins – und um die Parallelen, die über Generationen und Zeiten hinweg aufblitzen. Am Anfang stand die Recherche: Briefe, Fotos, Notizen, Stasi-Akten, Kassetten, das Haus in Neubrandenburg, von dem sie sprang. Aus diesen Spuren hat Bukowski eine ebenso mutige wie poetische Annäherung entwickelt (So, 13:30 Uhr).
Die Schwesternschaft, von der Thomas von Steinaecker in seinem neuen Roman „Schwestern“ erzählt, hat einen besonderen Charakter. Weil Simone, die Ältere, geistig beeinträchtigt ist, ist die jüngere Bettina für vieles zuständig. Vor allem ist sie von einer beständigen Angst durchdrungen, Simone könne etwas zustoßen. Doch um ihren eigenen Weg zu finden, muss sie sich aus den symbiotischen Beziehungen in ihrer Familie lösen (So, 14 Uhr).
Mit ihrem Romandebüt „Wir Königinnen“, einem Roadtrip zweier Frauen mit 24 Kühen, hat Anja Gmeinwieser bereits große Beachtung gefunden. Die Ich-Erzählerin, eine 37-jährige Lehrerin, flüchtet aus ihrem Beziehungsleben und wandert durch die Alpen. Dabei trifft sie auf die osteuropäische Fernfahrerin Anna, die eine Herde Kühe quer durch das sommerheiße Südosteuropa in die Türkei chauffiert (So, 14:30 Uhr).
Leistungssport trifft Literatur: Mit „Die Routinen“ wirft die Autorin Son Lewandowski einen eindringlichen literarischen Blick hinter die Kulissen des Leistungsturnens und erzählt von den Spuren, die ein von Disziplin und Leistungsdruck geprägtes System hinterlässt. Im Mittelpunkt steht die ehemalige Kunstturnerin Amik, die auf ihre Karriere zurückblickt. Dabei verbindet Lewandowski persönliche Erfahrungen mit einer präzisen literarischen Sprache und macht sichtbar, wie sich Machtmissbrauch, Zwänge und körperliche wie seelische Verletzungen tief in die Biografien junger Athletinnen einschreiben können (So, 15 Uhr).
Was für ein Unterfangen! Was für ein Ritt! Mit „Rodeo“ setzt Kerstin Preiwuß innerhalb ihres bisherigen aus Romanen, Essays und Gedichtbänden bestehenden Werks zu einem Quantensprung an. „Rodeo“ stammt vom portugiesischen bzw. spanischen „rodear“ und bedeutet so viel wie „zusammentreiben“. Diesem Konzept folgen die Verse des Bandes, die ganz unterschiedliche Schauplätze, Sprachformen, andere literarische Texte, Popkultur und Schlager „zusammentreiben“ (So, 15:30 Uhr).
Christoph Peters gehört zu den wichtigsten Autor*innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein umfangreiches Werk zeichnet sich durch große Welthaltigkeit aus. In „Entzug“ erzählt Peters schonungslos von einer jahrelangen, schweren Alkoholabhängigkeit, der Erbärmlichkeit der Sucht, dem zwanghaften Selbstbetrug, den gesundheitlichen Schäden und der lebensrettenden Ernüchterung. Ein mutiger, anrührender, nicht verklärender oder romantisierender Roman (So, 16 Uhr).
Noch ein radikal authentischer Text: Für „Was wir tragen“ wurde Lena Schätte beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gleich doppelt ausgezeichnet, mit dem Hauptpreis sowie mit dem Publikumspreis. Im Mittelpunkt stehen zwei mehrgewichtige Hauptschülerinnen, die wegen ihres Aussehens und ihrer sozialen Herkunft Ausgrenzung und Vorurteilen begegnen. Mit großer Einfühlsamkeit und ohne zu urteilen, zeichnet Schätte ihre Lebenswelt nach (So, 16:30 Uhr).
Wenn ein Lyrikband „Gestirne“ heißt und den Untertitel „Weltraumgedichte“ trägt, mag man zunächst an Raumschiffe und Reisen zu fremden Planeten denken. Aber der Weltraum ist hier ein Weltenraum und Alexander Schnickmanns Gedichte sind nicht abgehoben, sondern zupackend, sinnlich, durchaus bodenständig. Sie sind verankert in der Tradition der lyrischen Moderne, insbesondere des anglo-amerikanischen Sprachraums und in der weit zurückreichenden Tradition der melancholischen Dichter*innen. Gelacht werden darf jedoch auch (So, 17 Uhr).
Dana Vowinckel entwickelt ihren Roman „Anton und Alma“ aus doppelter Perspektive: Anton ist Jude, Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit zu schreiben. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs lassen Anton zu Alma zurückkehren. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je (So, 17:30 Uhr).
Zum Abschluss am Sonntagabend kehren wir zum Motto der Revue der Neuerscheinungen und in die Region zurück. In „Das gute Leben“ beschäftigt sich Nadine Schneider mit den rumäniendeutschen Wurzeln ihrer Familie. Das Buch spielt in und um Nürnberg sowie in Rumänien und erzählt die Geschichte von vier Frauen-Generationen auf der Suche nach dem guten Leben. Dabei spielt das fränkische Versandhaus Quelle als Arbeitgeber eine große Rolle (So, 18 Uhr).
