Wie erzählt man vom Leben einer Frau, der man nie begegnet ist? Helene Bukowski stieß auf die Geschichte einer jungen Pianistin, die als Wunderkind gefeiert und in Ost-Berlin und Moskau ausgebildet wurde. Doch mit 24 Jahren nahm sie sich das Leben. Dieser jungen Frau und ihrem tragischen, kurzen Leben nähert sich die Berliner Autorin in „Wer möchte nicht im Leben bleiben“. Der Roman stand nicht nur auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse, sondern wurde gerade auch mit dem Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet. Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studierte Kreatives Schreiben in Hildesheim. Bereits ihr Debüt „Milchzähne“ war ein großer Erfolg, 2022 folgte „Die Kriegerin“. In „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ geht es nicht zuletzt um die Einsamkeit eines Künstlerdaseins – und um die Parallelen, die über Generationen und Zeiten hinweg aufblitzen. Am Anfang stand die Recherche: Briefe, Fotos, Notizen, Stasi-Akten, Kassetten, der Flügel der Pianistin, das Haus in Neubrandenburg, von dem sie sprang. Aus diesen Spuren hat Bukowski eine ebenso mutige wie poetische Annäherung entwickelt. Zu den großen Qualitäten des Romans gehört das bewusste Benennen von Leerstellen und Lücken. Und die Erzählperspektive: Mit einem „Du“ spricht die Erzählerin die Pianistin Christina an, stellt sich an ihre Seite, beobachtet sie, öffnet Gedankenräume und Möglichkeiten.
Anne-Dore Krohn
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Milchzähne“, Roman, Blumenbar, Berlin 2019
– „Die Kriegerin“, Roman, Blumenbar, Berlin 2022
– „Wer möchte nicht im Leben bleiben“, Roman, claassen, Berlin 2026
