Propaganda und Paranoia bestimmen im Irak unter Saddam Hussein den Alltag, und immer wieder sind Kurd*innen die Opfer von Hasskampagnen und Angriffen. Nicht nur ihre Sprache und ihr Denken werden durch das diktatorische Regime bekämpft – die Kurden sind in ihrer schieren Existenz bedroht. Das Ausmaß bekommt Gulistan zu spüren, als eines Tages ihr Ehemann spurlos verschwindet. Die junge Frau begibt sich beharrlich auf die Suche, obwohl ihr täglich die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens vorgeführt wird. Ihre Schwangerschaft treibt sie nur noch weiter an. Eines Tages sieht sie bei einer überfüllten Versammlung ihren Mann – in der Uniform des Diktators, als seinen Doppelgänger. Gulistans Mission entwickelt wahnhafte Züge und sie landet im Gefängnis. Aufgeben tut sie deshalb noch lange nicht.
Karosh Taha, 1987 in Zaxo (Kurdistan) geboren und mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland geflohen, kennt die Spätfolgen von Traumatisierungen aus ihrer eigenen Geschichte. Nachdem sie in ihren ersten beiden Romanen „Im Bauch der Königin“ und „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ vor allem die Kinder der Geflohenen in den Blick genommen hatte, wendet sie sich jetzt der Elterngeneration zu und spürt in einer mal zupackenden, mal poetischen Sprache den Wurzeln der Verwundungen nach. Die Verletzungen lagern sich auch in den Lücken und Auslassungen des Schriftbildes ab.
Maike Albath
Auszeichnungen u. a.: Förderpreis des Landes NRW, Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin (2018), Heinrich-Heine-Stipendium, Hohenemser Literaturpreis, Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium (2019), Horst Bingel-Preis für Literatur (2020), Alfred Döblin-Medaille (2021).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Beschreibung einer Krabbenwanderung“, Roman, DuMont, Köln 2018
– „Im Bauch der Königin“, Roman, DuMont, Köln 2020
– „Gulistan“, Roman, DuMont, Köln, 2026
