14:00 Uhr Thilo Krause
Jetzt, wo du ein Held bist. Roman. Hanser. München, 18. Aug 2026
14:30 Uhr Nea Schmidt
Sprechen in Flechten. Gedichte. Kookbooks. Berlin, Mrz 2026
15:00 Uhr Lena Gorelik
Alle meine Mütter. Roman. Rowohlt. Hamburg, Mrz 2026
15:30 Uhr Elena Fischer
Wirf einen Schatten. Roman. Diogenes. Zürich, Jul 2026
16:00 Uhr Kinga Toth
MARIAMACHINA. Gedichte. Matthes & Seitz Berlin, Apr 2026
16:30 Uhr Ilija Matusko
Jugo. Roman. Suhrkamp. Berlin, 2. Sep 2026
17:00 Uhr Sabrina Janesch
Territorium. Roman. Rowohlt. Hamburg, 4. Sep 2026
17:30 Uhr Miriam Carbe
Unerwünschte Töchter. Roman. Hanser. München, Mai 2026
18:00 Uhr Karosh Taha
Gulistan. Roman. Dumont. Köln, 11. Aug 2026
18:30 Uhr Norbert Gstrein
Im ersten Licht. Roman. Hanser. München, Feb 2026
Moderation: Maike Albath, Anne-Dore Krohn, Dirk Kruse, Beate Tröger
Haupt- und Nebenpodien Schlossgarten bzw. Redoutensaal, Theater in der Garage und Rangfoyer: FM-Anlage für Hörgeschädigte – Ausleihe an der Information
„Das gute Leben“
Den Titel des Romans, der in diesem Jahr den Lesemarathon am Sonntagabend beschließen wird, haben wir uns diesmal als Motto ausgesucht. Nicht, weil zurzeit alles leicht und gut wäre im Leben. Ganz im Gegenteil: Die Lesungen der diesjährigen Revue der Neuerscheinungen handeln von Schwierigkeiten und Katastrophen, die uns im Leben herausfordern. Aber das ist ja auch richtig und gut so. Das Poet*innenfest will auch in diesem Jahr die persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Krisen literarisch in den Blick nehmen und dennoch das Leben feiern, wie es ist.
Den Auftakt der langen Lesenachmittage macht Thilo Krause mit seinem Roman „Jetzt, wo du ein Held bist“. Der in Dresden geborene Lyriker und Erzähler beschreibt die Spätphase der DDR und die Untiefen einer Kindheit. Man muss die Industriezweige von Irkutsk kennen. Und die Einwohnerzahl von Ulan-Bator. Wer versagt, gerät in die Fänge von Herrn Schär, dem dürren Geografielehrer ... (Sa, 14 Uhr).
Flechten sind seltsame Hybridwesen, die etwas tun, was Pilze nicht können: Sie betreiben Fotosynthese. Zugleich können sie allein nicht überleben. „Sprechen in Flechten“ heißt das lyrische Debüt von Nea Schmidt. Ihre Verse sind hybrid, wollen poetisch fassen, was in der Realität schon längst Alltag ist: Der menschlichen Sprache ist die der KI zugeschaltet (Sa, 14:30 Uhr).
Lena Gorelik eröffnet dann ein Thema, das sich in diesem Jahr durch das ganze Programm des Erlanger Poet*innenfests zieht: „Alle meine Mütter“ versammelt Geschichten über Mutterliebe und Erwartungen, über Rollenmuster und Entscheidungen, über Alleinerziehende und Familien mit mehreren Müttern. Ein Buch, das weit über die Frage der Mutterschaft hinausreicht und von Zuschreibungen, Freiheit und gesellschaftlichen Vorstellungen erzählt (Sa, 15 Uhr).
Als die damals noch unbekannte Elena Fischer beim Erlanger Poet*innenfest 2023 ihren Debütroman „Paradise Garden“ vorstellte, konnte noch niemand wissen, dass dieser Roman in kürzester Zeit ein Bestseller werden würde. Der neue Roman „Wirf einen Schatten“ ist ebenfalls ein hervorragend erzählter Familienroman. Er beginnt mit einer Beinahe-Katastrophe und führt zur Frage, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt, und wie man sein Leben ändern kann (Sa, 15:30 Uhr).
Wenn Kinga Toth die Bühne betritt, fasziniert sie ihr Publikum, lesend, singend, flüsternd. Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gewann sie in diesem Jahr mit dem Text „OstblockMädl“ den Kelag-Preis. Nach Erlangen bringt sie ihren neuen Gedichtband „MARIAMACHINA“ mit, der sich für Lebens- und Aktionsräume von Frauen interessiert (Sa, 16 Uhr).
Von einer Vater-Sohn-Beziehung, die es in sich hat und die durch die Erfahrung von Entwurzelung geprägt ist, erzählt Ilija Matusko in seinem Romandebüt „Jugo“. Was heißt es, wenn ein Leben vor allem von Arbeit in der Fremde bestimmt ist, wenn nach einer Schicht in der Gastwirtschaft noch eine kommt, dann die nächste Saison und noch eine, bis 30 Jahre vorbei sind (Sa, 16:30 Uhr)?
Wie stiehlt man ein Land? Diese Frage schwebt über Sabrina Janeschs „Territorium“, einem universalen Text über Freiheit, Unterwerfung und Selbstbestimmung. Der Roman führt nach Hawaii in die 1890er Jahre, als die Königin gestürzt und der unabhängige Inselstaat von den USA annektiert wurde. Janesch begleitet drei Frauen durch die Unruhen: Königin Lili‘uokalani, ihre deutsche Beraterin Gertrude Wolf und die Journalistin Emma Nāwahī (Sa, 17 Uhr).
Um drei Frauenschicksale geht es auch in der nächsten Lesung: Die Journalistin Miriam Carbe erbt den Schrank der Großmutter und findet darin ihre Notizbücher mit Tagebucheinträgen. Aus den dokumentarischen Fäden webt sie den Stoff des mitreißenden und den Zeitläuften verpflichteten Romans „Unerwünschte Töchter“, der zugleich respektvoll Abstand zu seinen Protagonistinnen hält und sich doch lebendig in sie einfühlt (Sa, 17:30 Uhr).
Karosh Taha, in Zaxo (Kurdistan) geboren und mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland geflohen, kennt die Spätfolgen von Traumatisierungen aus ihrer eigenen Geschichte. In ihrem Roman „Gulistan“ begibt sich die gleichnamige junge Frau beharrlich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann, obwohl ihr täglich die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens vorgeführt wird. Ihre Schwangerschaft treibt sie nur noch weiter an. Eines Tages sieht sie bei einer überfüllten Versammlung ihren Mann – in der Uniform des Diktators, als seinen Doppelgänger ... (Sa, 18 Uhr).
Mit einem großen Namen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur endet der erste Lesenachmittag im Erlanger Schlossgarten: Norbert Gstrein ist bekannt für kunstvoll gebaute Romane, präzise Beobachtungen und überraschende Wendungen. Ein Axthieb ist es, der in „Im ersten Licht“ das Leben Adrian Reiters unwiderruflich verändert: Sein Vater trifft ihn ins Bein und bewahrt ihn so davor, in den Ersten Weltkrieg eingezogen zu werden. Aus dem Jungen wird ein Hinkender – und ein Mann, dessen Leben dennoch ganz im Bann der Kriege des 20. Jahrhunderts stehen wird (Sa, 18:30 Uhr).
