Die 1983 in Westungarn geborene Kinga Toth ist Autorin, Übersetzerin, Performerin, Aktivistin, die den Literaturbegriff erweitert, indem sie verschiedene Kunstformen in ihre Arbeit einbezieht. Auf der Bühne liest, singt und flüstert sie und fasziniert so ihr Publikum. Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gewann sie 2026 mit dem Text „OstblockMädl“ den Kelag-Preis. Ihre Arbeit fand lange Zeit auf Grundlage einer schwierigen und für Künstler*innen bedrängenden Kulturpolitik unter der Regierung von Viktor Orbán statt.
Nach Erlangen bringt Kinga Toth ihren neuen Gedichtband „MARIAMACHINA“ mit, der sich für Lebens- und Aktionsräume von Frauen interessiert, darunter Frauen, die im Kloster leben. Toths kluge und humorblitzende Texte fassen die großen Fragen der Zeit in Worte, immer wieder setzt sie sich ein für die Menschen, die marginalisiert werden und diejenigen, die als Leidtragende aus dem Ost-West-Gefälle hervorgehen: „sandwiches/ packe ich eins für dich drei für die anderen/ in nachbarsautos fahren wir rüber und wechseln die sprache/ sprich russisch mein/ sohn frag ihn wie es ihm geht/ was ihm seine mutter eingepackt ob er die gleiche schuhgröße/ hat er den hund als kind auch getreten und dann jahrelang um verzeihung gebeten es bedauert und mehr gelitten/ als dieses kleine unwissende tier mit dem blick damit/ gucken sie uns an aus den anderen ländern“.
Beate Tröger
Auszeichnungen u. a.: Queer Verlags Preis für bestes Prosawerk (2012), Stipendium der Akademie Schloss Solitude (2013, 2017), Grazer Stadtschreiberin (2018), Förderpreis zum Hugo-Ball-Preis, Bernard Heidsieck-Preis (2020), Poet-in-Residence Villa Waldberta (2021).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Wir bauen eine Stadt“, Gedichte, parasitenpresse, Köln 2017
– „Party“, Gedichte und Zeichnungen, parasitenpresse, Köln 2019
– „Transit“, SuKuLTur, Berlin 2021
– „Mondgesichter“, Gedichte, Rohstoff, Berlin 2022
– „MARIAMACHINA“, Gedichte, Matthes & Seitz Berlin, 2026
