Als die Journalistin Miriam Carbe nach dem Tod ihrer Mutter den Schrank der Urgroßmutter erbt, und damit auch etliche Regalmeter voller Notizbücher mit Tagebucheinträgen und Erinnerungsskizzen, beginnt sie zu schreiben über die Frauen ihrer Familie, mit dem Ziel, das auch ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter beim Schreiben verfolgten: sich ihr Leben von außen anzuschauen, um es besser zu begreifen. Der Roman „Unerwünschte Töchter“ bringt damit etwas hervor, was vor Generationen in der Namensgebung der Frauen angelegt worden ist: Urgroßmutter Margarethe, Großmutter Marianne und Mutter Monika bekamen diese mit dem gleichen Buchstaben beginnenden Vornamen, um dem Umstand, dass die Väter den Nachnamen bestimmen, etwas entgegenzusetzen. Und um die verschleierte Abstammung hervorzuheben, um ein Band über Generationen zu spannen. Aus den dokumentarischen Fäden des schriftlichen Materials webt Miriam Carbe den Stoff dieses mitreißenden und den Zeitläuften verpflichteten Romans, der zugleich respektvoll Abstand zu seinen Protagonistinnen hält und sich doch lebendig in sie einfühlt, indem er mit deren Geschichten frei umgeht: „Ich war endlich erwachsen genug geworden, um den Schrank zu besitzen.“
Beate Tröger
Veröffentlichung:
– „Unerwünschte Töchter“, Roman, Hanser, München 2026
