Ein Axthieb ist es, der das Leben Adrian Reiters unwiderruflich verändert: Sein Vater trifft ihn ins Bein und bewahrt ihn so davor, in den Ersten Weltkrieg eingezogen zu werden. Aus dem Jungen wird ein Hinkender – und ein Mann, dessen Leben dennoch ganz im Bann der Kriege des 20. Jahrhunderts stehen wird. In drei Teilen erzählt Norbert Gstrein von diesem Lebensweg. Adrian, Jahrgang 1901, entwickelt eine Faszination für das Militärische gerade deshalb, weil ihm die Teilnahme am Krieg verwehrt bleibt. Er eignet sich ein enzyklopädisches Wissen über Feldzüge, Waffen und Heere an, entgeht auch dem Zweiten Weltkrieg und wird schließlich Geschichtslehrer. Seine Begeisterung für militärische Zusammenhänge gibt er an Schüler weiter. Erst spät beginnt er, seine Haltung zu hinterfragen. Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, ist bekannt für kunstvoll gebaute Romane, präzise Beobachtungen und überraschende Wendungen. „Im ersten Licht“, das auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse stand, kreist um eine Frage, die viele seiner Bücher beschäftigt: Wie entsteht Schuld? Adrian wird nie zum aktiven Täter. Doch Gstrein zeigt eindringlich, wie auch Faszination, Schweigen, Wegschauen und passives Mitlaufen Teil einer Geschichte der Gewalt werden können.
Anne-Dore Krohn
Auszeichnungen u. a.: Rauriser Literaturpreis, Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb (1989), Berliner Literaturpreis (1994), Alfred-Döblin-Preis (1999), Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2001), Uwe-Johnson-Preis (2003), Anton-Wildgans-Preis (2013), Österreichischer Buchpreis (2019), Düsseldorfer Literaturpreis, Thomas-Mann-Preis (2021), Siegfried-Lenz-Preis (2026).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Der zweite Jakob“, Roman, Hanser, München 2021
– „Vier Tage, drei Nächte“, Roman, Hanser, München 2022
– „Mehr als nur ein Fremder“, Essay, Hanser, München 2023
– „Im ersten Licht“, Roman, Hanser, München 2026
– „Die englischen Jahre“, Roman, Hanser, München, Oktober 2026
