„Für meinen Vater, Scheich Mohammed, dessen Zelte der Duft gewürzten Kaffees erfüllte, und für meine Mutter Hesen, die mich in die Kunst des Erzählens einführte“ – so beginnt Salim Alafenisch ein Buch, das drei seiner Romane bündelt. „Wer liest, lebt zweimal“, sagt der palästinensisch-deutsche Schriftsteller, der sein Publikum auch mündlich als orientalischer Geschichtenerzähler verzaubert. Wie bei einer Matrjoschka wächst eine Episode aus der anderen. 1948 wurde Salim Alafenisch in eine Beduinenfamilie in der Negev-Wüste geboren. Als Kind hütete er die Kamele des Vaters. Erst mit 14 Jahren lernte er Lesen und Schreiben, machte Abitur in Nazareth, studierte in London und Heidelberg und lebt nun seit über 50 Jahren in Deutschland. Ein Palästinenser mit israelischem Pass, ein Erzähler und kritischer Beobachter der Zeitläufte. Seine Romane erinnern an eine verlorene Welt. „Das Kamel mit dem Nasenring“ etwa beschreibt – fast milde und märchenhaft – die brutale Vertreibung seines Volkes durch den Bau des Suezkanals und die Staatsgründung Israels. Ratlos stehen die Nomaden mit ihren Herden plötzlich vor Grenzen. „Wenn man Menschen vertreibt“, sagt Salim Alafenisch, „entstehen Probleme“.
Cornelia Zetzsche
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Die Nacht der Wünsche“, Unionsverlag, Zürich 2011 (EA 1996)
– „Amira. Im Brautzelt“, Unionsverlag, Zürich 2011 (EA 1998)
– „Die acht Frauen des Großvaters“, Unionsverlag, Zürich 2015 (EA 1989)
– „Der Weihrauchhändler“, Unionsverlag, Zürich 2019 (EA 1988)
– „Das Kamel mit dem Nasenring“, Unionsverlag, Zürich 2025 (EA 1990)
