„Jin, Jiyan, Azadi!“ / „Frau, Leben, Freiheit“ – die Rufe und Bilder von Massenprotesten nach dem gewaltsamen Tod von Jina Mahsa Amini im September 2022 in Iran sind unvergessen. Atefeh Chaharmahaliyan gehört zu den Mutigen im Widerstand, mit ihren Texten und ihrem Kampf für Frauenrechte, Minderheiten, Demokratie und Gerechtigkeit. Im Oktober 2022 wurde sie verhaftet, wochenlang im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten, dann auf Kaution freigelassen mit dem Verbot, sich je wieder politisch und publizistisch zu äußern, andernfalls werde das Urteil von fünf Jahren Haft vollstreckt. Dieses totale Schweigen wäre für sie der soziale Tod, sagte sie damals und schwieg nicht. Als sich die Lage zuspitzte, floh sie 2025 nach Deutschland und lebt heute als Dichterin und Journalistin in Köln. Fast könnte man bei allen politischen Aktivitäten vergessen, dass sie eine profilierte Lyrikerin und Erzählerin ist, übersetzt ins Französische, noch nicht auf Deutsch. Ihr Gedicht „Gegen das Vergessen“ ist dem jungen Wrestler und Aktivisten Saeed Afkari gewidmet, der vom Mullah-Regime hingerichtet wurde: „Dein Blut/ Ist das Grab der Nacht und die Heimat des Tages/ Seine Spuren binden die Stürme und sein Gerinnsel/ meißelt Felsblöcke aus dem Rachen des Schreckens“.
Cornelia Zetzsche
Atefeh Chaharmahaliyan
Teilnahme an
Sonntag, 30.08.2026
Orangerie im Schlossgarten
