Als die noch unbekannte Mainzer Autorin Elena Fischer beim Erlanger Poet*innenfest 2023 ihren erst eine Woche alten Debütroman „Paradise Garden“ vorstellte, konnte noch niemand wissen, dass dieser Roman in kürzester Zeit ein Bestseller werden würde. Mittlerweile ist das Buch in 15 Sprachen übersetzt. Der neue Roman „Wirf einen Schatten“ ist ebenfalls ein hervorragend erzählter Familienroman. Es beginnt mit einer Beinahe-Katastrophe. Der depressive Bauer Joseph will sich am Weihnachtsabend 1963 mit einem Gewehr auf seinem Hof erschießen, weil ihn seine Frau vor einem halben Jahr mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat. Da klopft die noch nicht ganz volljährige Ausreißerin Birdie an seine Tür, die auf der Flucht vor ihrer Familie ist. Von diesem Wendepunkt aus wird der Roman abwechselnd in beide Richtungen erzählt: Wie Joseph dank Birdie und seiner Schwägerin Ada langsam wieder aus seinem Loch herausfindet, wird kontrastiert mit der Vorgeschichte von Josephs Ehe und Leben. Wie in einer Kreisbewegung endet der Roman in einer zukunftsverheißenden Szene, die gleichzeitig Ausgangspunkt des Erzählten ist. Eine raffinierte, aber unaufdringliche Erzählkonstruktion. „Wirf einen Schatten“ handelt von der Frage, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt, und wie man sein Leben ändern kann.
Elena Fischer wurde 1987 in Speyer geboren und wuchs im Rhein-Neckar-Kreis auf. In Mainz, wo die Autorin noch heute mit ihrer Familie lebt, studierte sie Komparatistik und Filmwissenschaft. Danach folgte ein Fernstudium an der Autorenschule der Textmanufaktur Leipzig.
Dirk Kruse
Auszeichnungen u. a.: Literatur-Förderpreis der Landeshauptstadt Mainz für junge Autorinnen und Autoren (2021), Debütpreis der Literaturwerks Rheinland-Pfalz/Saar (2024).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Paradise Garden“, Roman,
Diogenes, Zürich 2023
– „Wirf einen Schatten“, Roman, Diogenes, Zürich 2026
