Als Tomer Gardi 2016 beim Bachmann-Wettbewerb las, verblüffte er mit einer aberwitzigen Tragikomödie von zwei Fremden – Mutter und Sohn – mit falschem Koffer, falschen Kleidern, falscher, gebrochener Identität, erzählt in einem „Broken German“. Deutsch ist für den Israeli in Berlin die Sprache der Täter, eine gebrochene Sprache. Im Roman „Broken German“ schrieb er das Deutsch, das er spricht, ohne Ambition, daraus ein „Standarddeutsch“ zu machen. Auf Hebräisch und im spielerischen Umgang mit Deutsch erzählt Tomer Gardi Geschichten, je verstörender desto unterhaltsamer. Im zweiten Roman „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“ schickt er eine Art männliche Scheherazade ins Arbeitsamt. „Eine runde Sache“, der dritte Roman, nimmt den Ernst deutscher Geschichte und Gegenwart aufs Korn. Tomer Gardi, ein Meister der Groteske, kommt mit seinem neuen, ernsteren Roman nach Erlangen. „Liefern“ ist eine Odyssee durch Tel Aviv, Delhi und andere Metropolen der Welt auf der Spur von „Riders“, diesen Essenslieferanten auf zwei Rädern, die durch unsere Städte rasen, immer unter Druck, symptomatisch für die turbokapitalistische Weltordnung.
Cornelia Zetzsche
Auszeichnungen u. a.: Deutscher Hörspielpreis (2017), Alfred-Döblin-Stipendium (2019), Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds (2020), Arbeitsstipendium des Berliner Senats (2021), Preis der Leipziger Buchmesse (2022).
Veröffentlichungen (zuletzt):
– „Stein, Papier. Eine Spurensuche in Galiläa“, übers. von M. Lemke, Rotpunktverlag, Zürich 2013
– „Broken German“, Roman, Droschl, Graz 2016
– „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“, Roman, übers. von A. Birkenhauer, Droschl, Graz 2019
– „Eine runde Sache“, Roman, teilweise übers. von A. Birkenhauer, Droschl, Graz 2021
– „Liefern“, Roman, teilweise übers. von A. Birkenhauer, Tropen, Stuttgart 2026
